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Was soll ihr ändern – und vor allem wen?

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Nachdem auch der Letzte den gestrigen Beitrag von Jan Böhmermann geteilt hat und die Letzte ihr Like dafür gegeben hat – wie viel bleibt dann übrig? Was wird sich verändert haben? Was wird sich verändern?

Hat er damit nicht eigentlich einfach nur das ausgesprochen, was wir alle schon lange als versteckten Gedanken schon seit nicht erst seit dem Ausgang der US-Wahlen in uns tragen? Ist uns das nicht allen schon längst klar? Nun hat es endlich mal jemand in Worte gefasst, was als Idee in unseren Köpfen umherspukt, was wir vielleicht einfach nur nicht benennen konnten.

Jetzt mal ehrlich – wie wahrscheinlich wäre eine echte „Alternative“ gewesen, egal aus welcher Richtung? Aber was wollt ihr, was willst speziell du selbst dagegen unternehmen?

Denn wenn wir uns selbst reflektieren, müssen wir uns eingestehen, dass wir unsere alten Freunde und unsere Familien hinter uns gelassen und abgehängt haben, als wir in die großen Städte zogen. Als wir uns für das kosmopolitische Leben entschieden. Als wir uns entschieden, als digitale Nomaden zu leben. Als wir uns entschieden, das Internet zu unserem Vorteil zu nutzen, damit es uns weiter nach vorne bringt. Als wir uns eine globale Perspektive auf das Leben und die Welt aneigneten. Als uns das Dorf oder die Kleinstadt nicht mehr genug war und wir mehr vom Leben erwarteten.

Jedes Mal merke ich das, wenn ich zurückfahre und meinen Vater besuche. Jedes Mal sehe ich, wie er weiter und weiter abgehängt wird. Dass die digitale Gesellschaft für ihn – für seine sehr persönliche Sicht auf die Welt und sein Leben – mehr Hürden als Brücken bereit hält. Wie er schon allein an seinem Smart TV verzweifelt, weil er die Updates nicht gemacht hat und dieser mittlerweile fast unbenutzbar geworden ist. Wie er sich von Hotline-Mitarbeitern demütigen lassen muss. Weil er es nicht versteht und auch nicht nachvollziehen kann, wie wichtig die regelmäßigen Updates sind – und dass es diese überhaupt braucht, um einen Fernseher zu betreiben. Einen verdammten Fernseher! Den er vorher einfach nur anschalten musste und es funktionierte. An den er einen DVD-Player einfach anschließen konnte – und es funktionierte! Mein Vater ist nicht dumm. Mein Vater ist interessiert, neugierig und ehrgeizig. Aber seine Realität ist eine andere als meine. Eine andere als deine, als unsere.

Es ist nicht so, dass wir unsere Familie und alte Freunde weniger mögen würden. Doch kapseln wir uns ab. Da ist unsere Welt und da ist ihre und wir bemühen uns nicht, diese beiden anzunähern oder gar miteinander zu vereinen. Wir besuchen sie, lassen unsere Welt kurz hinter uns und tauchen doch nicht in ihre ein. Wir bleiben distanziert. Wir leben nebeneinander her und manchmal kreuzen sich unsere Wege. Doch niemals vereinigen sie sich zu etwas Neuem. Zumindest glaube ich das. Zumindest, muss ich zugeben, ist es bei mir so.

Vielleicht würde es also einen Unterschied machen, wenn wir uns die Zeit nehmen und den Willen haben, diese Kluft zwischen unseren vielen Welten ein bisschen kleiner zu machen. Vielleicht würden sich unsere Freunde und Familien dann weniger abgehängt fühlen. Wir könnten unsere Hilfe anbieten. Wir könnten durch unsere Handlungen deutlich machen, dass wir sie unterstützen, hinter ihnen stehen und sie eben nicht zurücklassen werden.

Reykjavik, Island
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Rückblick auf eine Woche schöner Ausblicke und schmerzender Füße

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Eigentlich würde ich am liebsten jedes Jahr zum Urlaub nach Island fliegen. Tatsache ist aber, dass ich leider immer noch nicht im Lotto gewonnen habe. Schade eigentlich. Aber wie alle von euch, spiele ich gar kein Lotto, aber träume gerne mal von horrenden Gewinnen. Logik? Egal, man wird ja wohl noch träumen dürfen.

Dieses Jahr also gönnte ich mir meinen zweien Besuch dieser zauberhaften Insel und das über effektiv 6 Tage plus jeweils einen Tag An- und Abreise. Und was soll ich sagen – es war ein Hoch und Runter wie das berüchtigte isländische Wetter.

Im Prinzip hielt ich mich wieder ausschließlich in Reykjavik auf und wollte von dort aus möglichst viel erkunden. Ich kam im Hostel am Hlemmur Square unter, was einer der besten Ausgangspunkte in Reykjavik ist. Von dort aus kann man nämlich alles ziemlich gut erreichen. Das City Center schließt sich an und die Altstadt ist dem entsprechend in 10 Minuten zu erlaufen. Es ist gleichzeitig der zentrale Busbahnhof.

Für den ersten Tag buchte ich mir gleich eine der Day Tours. Das sind Tagesreisen zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Islands, die die örtlichen Reiseagenturen anbieten. Das Typischste und für mich auch interessanteste war der Golden Circle. So wird die Rundtour zum Þingvellir, Gullfoss und Geothermalgebiet Haukadalur allgemein genannt. Leider war ich nach der Tour eher zwiegespaltener Meinung. Denn wenn wir ehrlich sind, sind das auch nur Kaffeefahrten mit schönem Ausblick. Man wird in einem Bus voller fremder Menschen herumkutschiert, hat absurd wenig Zeit, sich die Landschaft anzusehen und zu erkunden, bekommt vor Ort wenig gesagt nur Allgemeinheiten und wird von einem Restaurant zum nächsten Souvenirshop kutschiert. Denn dort, wo man was kaufen konnte, hatten wir letztlich am meisten Zeit. Toll. Ich empfehle also jedem, der einen Führerschein hat und sich das zutraut, lieber ein Auto zu mieten und auf eigene Faust alles zu erkunden.

Þingvellir, Island

Nichtsdestotrotz möchte ich noch ein paar Worte zu den Sehenswürdigkeiten verlieren. Denn ich wollte unbedingt das Þingvellir sehen. Es ist einer der geschichtsträchtigsten Orte Islands und dem Ort wohnt so viel Magie inne, dass ich am liebsten den ganzen Tag dort verbracht hätte. Das Þingvellir war früher einmal der zentrale Versammlungsort, wo sich die ersten isländischen Siedler jährlich trafen, um Recht zu sprechen, abzustimmen und ihre Vertreter zu wählen. Denn schon immer scheint die isländische Gesellschaft auf einen gemeinsamen Konsens zu bauen.

Gleichzeitig erzählt dieses Land noch eine viel ältere Geschichte. Denn hier treffen die Eurasische und Nordamerikanische Kontinentalplatte aufeinander. Oder genauer gesagt, bewegen sie sich um einen Zentimeter pro Jahr voneinander fort. Und so sieht es dort auch aus, zerklüftete Gesteinsketten ziehen sich an dem großen See Þingvallavatn entlang. Das Land ist weit und kahl und ist von Bergketten bzw. Vulkanen umgeben. Denn jeder Berg auf Island ist tatsächlich ein Vulkan. Die meisten sind aber nicht mehr aktiv. Genug Platz also, um herumzuwandern und zu erkunden, wenn man die Zeit dafür hat.

Gullfoss, Island

Es lohnte sich bei der Tour immer, einen Schritt weiter zu gehen und die Zeit voll auszunutzen. Denn erst dann, wenn man die Horden an Touristen hinter sich lässt, kann man das Land in seiner Gänze genießen und im inneren Auge festhalten.

So schön das Wetter auf den Bildern vom ersten Tag aussieht, hielt es sich leider nicht sehr lange. Die nächsten Tage wurde der Himmel von einer dicken Wolkendecke durchzogen, die manchmal nur für ein, zwei Stunden am Nachmittag aufbrach und die Sonne durchließ.

Neben ein paar Museumsbesuchen und einer Sightseeing Tour, erkundete ich Reykjavik in den restlichen Tagen ausschließlich zu Fuß. Was leider dazu führte, dass mir schon am dritten Tag die Füße so sehr weh taten, dass ich den Rest meines Urlaubs am liebsten im Bett verbracht hätte.

RuGl @ Iceland Airwaves

Zum Glück begann dann der zweite Teil meines Islandurlaubs. Denn ich wäre nicht ich, wenn ich nicht auch auf das Iceland Airwaves gehen würde. Das beste, tollste, schönste, vielfältigste und überhaupt kaum zu topere Festival Islands, wahrscheinlich gar Europas. Meine Meinung.

Ich hatte letzte Woche dazu schon etwas geschrieben. Und ergänzend kann ich nur sagen, dass Kate Tempest wirklich alle anderen Künstler so dermaßen im Schatten hat stehen lassen. Das ist unglaublich. Trotzdem es nur ein Auftritt im Rahmen eines Festivals war – denn diese sind meist kürzer, abgespeckter und haben einen ganz anderen Charakter als ein Konzert eines einzelnen Künstler – hat er es auf die Spitze der besten Auftritte/ Konzerte dieses Jahres geschafft. So energiegeladen und explosiv sind wirklich wenige Konzerte. Kate Tempest hat die Halle fast eingerissen mit ihren kraftvollen Texten und knallenden Beats. Unerreicht. Am liebsten hätte ich mir noch am selben Abend ein Ticket fürs nächste Berlin Konzert geklickt – nur leider war sie nur zwei Tage zuvor in Berlin. (Als ich schon auf Island war.)

Alles in allem war es wirklich schön mal von allem weg zu sein. Ich hatte viele Gelegenheiten zu lesen, ich habe eine Menge gesehen und gelernt. Auch hatte ich Zeit, einfach mal zu entspannen und mich zurückzulehnen oder auszuschlafen, denn ich hatte schließlich keinen Druck. Das war schön.