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Ein kleiner Fehler und ein Rant

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Ich habe einen Fehler gemacht. Einen wirklich dummen Fehler. Es war gestern am frühen Abend. Kurz vor Feierabend als ich BuzzFeed aufrief, um mich nach dem Arbeitsstress zu erheitern. Doch ich musste mir schnell eingestehen, dass es nicht lange bei der leichten Unterhaltung bleiben würde. Denn mich sprangen auch gleich wieder ein paar unterirdische Headlines und schlecht geschriebene Artikel entgegen, bei denen ich nur die Hände über den Kopf zusammenschlagen kann.

Bei Überschriften wie diesen rollen sich mir die Fußnägel hoch:

25 Dinge, die du verstehst, wenn der Gedanke ans Dating dich verdammt nochmal kirre macht — Link

19 Dinge über Geburten, die du nicht zu fragen wagst, aber unbedingt wissen möchtest — Link

19 Geheimnisse, die dir Frauen verraten möchten, die auf Instagram Geld verdienen — Link

27 Ozean-Fakten, die machen, dass du dich sehr, sehr klein fühlst — Link

Scheinbar herrscht in der BuzzFeed-Redaktion ein sadistischer Wettkampf darum, wer die meisten Kommas in einer einzigen Überschrift unterbringt. Bitte liebes BuzzFeed, bring deinen Redakteuren das Schreiben sowie den Unterschied zwischen stumpfem Übersetzen und dem Adaptieren von Sprachen bei. Viel zu oft habe ich Überschriften gelesen, die sich wie eine schlechte Wort-für-Wort-Übersetzung aus dem amerikanischen Pendant lasen.

Ich haderte ja schon lange mit dem ganzen Konzept von BuzzFeed Deutschland. Bis zu dem Punkt, als sie dann ~endlich~ als die gefühlt Allerletzten verstanden haben, dass es mehr als nur ein paar dahin geworfene Links braucht, um z.B. auf Facebook zu bestehen, musste eine lang Zeit vergehen. Ich meine, eigentlich sollte gerade BuzzFeed bei sowas vorneweg laufen. Mit dem amerikanischen Vorbild ist es prädestiniert dafür, neben der Website auf den Social Media ein eigenes Leben zu führen und eine ganzheitliche Strategie zu fahren. Stattdessen liefen ihnen Seiten wie „Das Beste aus Social Media“, Twitterperlen und Konsorten schnell den Rang ab.

Woher mein Unmut kommt? Weil ich seit langem ein Riesenfan von der US-Version bin und in vielerlei Hinsicht beeindruckt. Sie war und ist oft Inspiration für meine Arbeit und es ist es immer wert, sich von ihrer Art und Weise Geschichten zu erzählen eine Scheibe abzuschneiden. Ein Beispiel: Allein die gesamte Berichterstattung der Olympischen Spiele 2016 in Rio war so innovativ und richtungsweisend. Perfekt zugeschnitten auf ein digitales Publikum der Generationen Y und Z, das nicht nur informiert, sondern vor allem unterhalten werden will. Nicht ohne Grund machen das jetzt zu den Winterspielen einige Gen-Y-Medienmarken wie Elite Daily nach — natürlich in dem Maße und Umfang, wie es zu ihrer Ausrichtung passt.

Ob ich ein bisschen sehr kritisch bin? Durchaus. Ja, sie haben viele lustige Listen und ja, es gibt auch echt gut recherchierte Artikel. Aber mir stellt sich viel zu oft die Frage, nach dem Roten Faden und wo es hingehen soll. Ich bin einfach noch nicht bereit zu akzeptieren, es so etwas wie BuzzFeed US in Deutschland nicht funktionieren würde. Mir fehlt immer noch ein Medium, das Online versteht und zu nutzen weiß. Eins, das insbesondere die beiden jungen Generationen Y und Z anzusprechen weiß.

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Was wollt ihr ändern – und vor allem wen?

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Nachdem auch der Letzte den gestrigen Beitrag von Jan Böhmermann geteilt hat und die Letzte ihr Like dafür gegeben hat – wie viel bleibt dann übrig? Was wird sich verändert haben? Was wird sich verändern?

Hat er damit nicht eigentlich einfach nur das ausgesprochen, was wir alle schon lange als versteckten Gedanken schon seit nicht erst seit dem Ausgang der US-Wahlen in uns tragen? Ist uns das nicht allen schon längst klar? Nun hat es endlich mal jemand in Worte gefasst, was als Idee in unseren Köpfen umherspukt, was wir vielleicht einfach nur nicht benennen konnten.

Jetzt mal ehrlich – wie wahrscheinlich wäre eine echte „Alternative“ gewesen, egal aus welcher Richtung? Aber was wollt ihr, was willst speziell du selbst dagegen unternehmen?

Denn wenn wir uns selbst reflektieren, müssen wir uns eingestehen, dass wir unsere alten Freunde und unsere Familien hinter uns gelassen und abgehängt haben, als wir in die großen Städte zogen. Als wir uns für das kosmopolitische Leben entschieden. Als wir uns entschieden, als digitale Nomaden zu leben. Als wir uns entschieden, das Internet zu unserem Vorteil zu nutzen, damit es uns weiter nach vorne bringt. Als wir uns eine globale Perspektive auf das Leben und die Welt aneigneten. Als uns das Dorf oder die Kleinstadt nicht mehr genug war und wir mehr vom Leben erwarteten.

Jedes Mal merke ich das, wenn ich zurückfahre und meinen Vater besuche. Jedes Mal sehe ich, wie er weiter und weiter abgehängt wird. Dass die digitale Gesellschaft für ihn – für seine sehr persönliche Sicht auf die Welt und sein Leben – mehr Hürden als Brücken bereit hält. Wie er schon allein an seinem Smart TV verzweifelt, weil er die Updates nicht gemacht hat und dieser mittlerweile fast unbenutzbar geworden ist. Wie er sich von Hotline-Mitarbeitern demütigen lassen muss. Weil er es nicht versteht und auch nicht nachvollziehen kann, wie wichtig die regelmäßigen Updates sind – und dass es diese überhaupt braucht, um einen Fernseher zu betreiben. Einen verdammten Fernseher! Den er vorher einfach nur anschalten musste und es funktionierte. An den er einen DVD-Player einfach anschließen konnte – und es funktionierte! Mein Vater ist nicht dumm. Mein Vater ist interessiert, neugierig und ehrgeizig. Aber seine Realität ist eine andere als meine. Eine andere als deine, als unsere.

Es ist nicht so, dass wir unsere Familie und alte Freunde weniger mögen würden. Doch kapseln wir uns ab. Da ist unsere Welt und da ist ihre und wir bemühen uns nicht, diese beiden anzunähern oder gar miteinander zu vereinen. Wir besuchen sie, lassen unsere Welt kurz hinter uns und tauchen doch nicht in ihre ein. Wir bleiben distanziert. Wir leben nebeneinander her und manchmal kreuzen sich unsere Wege. Doch niemals vereinigen sie sich zu etwas Neuem. Zumindest glaube ich das. Zumindest, muss ich zugeben, ist es bei mir so.

Vielleicht würde es also einen Unterschied machen, wenn wir uns die Zeit nehmen und den Willen haben, diese Kluft zwischen unseren vielen Welten ein bisschen kleiner zu machen. Vielleicht würden sich unsere Freunde und Familien dann weniger abgehängt fühlen. Wir könnten unsere Hilfe anbieten. Wir könnten durch unsere Handlungen deutlich machen, dass wir sie unterstützen, hinter ihnen stehen und sie eben nicht zurücklassen werden.

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Früher war mehr Internet …

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In letzter Zeit kommt in mir immer mal wieder der Wunsch auf, mich endlich mal wieder einen Tag lang im Internet zu verlieren. Mit Freunden oder Kollegen spreche ich darüber, wie gerne ich mich tagelang durch ein ganzes Blog gelesen habe. Wie wir an einem Sonntag die komplette Twitter Timeline nach unten gescrollt und jeden Artikel verschlungen haben, der geteilt wurde. Wie viel Zeit uns Tumblr geraubt und uns vom Studieren abgehalten hat … als wir uns noch am Ende jeder Party nächtelange YouTube-Video-Schlachten geliefert haben. Wenn wir nur schnell was auf Wikipedia nachschlagen wollten und uns nach mehreren Stunden wieder einfiel, was wir eigentlich vor hatten. Wann haben wir damit eigentlich aufgehört?

Obwohl mein Job in einer Social Media Agentur einzig und allein daraus besteht, online zu sein und zu arbeiten, fehlt mir das sehr. Denn Facebook ist letztendlich doch nicht das Internet. Ich bin regelmäßig unzufrieden über die Inhalte, die mir dort angeboten werden. Aber ich habe es auch verlernt, mir die Inhalte und Informationen zu holen, die ich gerne sehen oder lesen würde. Facebook hat mich faul gemacht – und Twitter auch ein wenig.

Es ist schon lange nicht mehr so, dass es das eine Blog gibt, von dem ich keinen einzigen Artikel verpassen möchte. Ich schaue nicht mal mehr täglich bei Instagram rein. Oft bin ich ganz froh, wenn ich den Laptop abends nicht noch mal anschmeißen muss. Vor zwei Wochen habe ich das letzte Mal etwas auf Facebook geteilt.

Aber wer hat sich verändert? Ich oder das Internet?

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Wie mich ein Buch aufregte …

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Bücher können die unterschiedlichsten Effekte auf uns haben, sie können uns unterhalten und langweilen, sie können und zum Lachen bringen und zum Weinen … Bücher können aber auch aufregen. Nämlich genau dann, wenn es unseren Verstellungen, Werten und Erfahrungen zuwider ist. Wenn es mit erhobenem Kopfe auf uns zu geht und eine Geschichte erzählt, die wir nicht verstehen können oder wollen.

Das Buch “Wir kommen” von Ronja von Rönne trifft diesen Nerv bei mir ziemlich gut. Denn es beschreibt eine Lebenswirklichkeit bzw. mehrere, die ich nicht nachvollziehen kann. Es geht dabei um die Geschichte von vier naiven Menschen, die sich jeglicher Selbstreflexion verwehen oder sich sich selbst beständig mit falschen Schlussfolgerungen vormachen, reflektiert zu sein und die richtigen Lösungen zu verfolgen. Sie leben in einer Wirklichkeit, die sich irgendwie parallel zum Alltag außerhalb ihrer eigenen Blase abspielt. Diese beiden Welten scheinen sich kaum zu berühren, und selbst wenn von außen jemand einen Blick in diese Blase wirft, sieht er immer nur ein Schauspiel einer scheinbar funktionierenden Alternative zum alltäglichen. Eine Viererbeziehung, die gleichzeitig Neugier und Ängste schürt, einen unbestimmten Reiz ausübt, den man sich dann aber doch niemals traut, selbst auszuprobieren. Weil es vielleicht Mut bedarf, das aufzubauen und zu erhalten. Vielleicht reicht aber auch eine gemeinsame Angst aus, vier Personen so zusammenzuschweißen.

Und so beschreibt die Protagonistin einen fast kindlichen Blick auf die Welt und ihr eigenes Leben. Aber nicht in dem Sinne, dass sie neugierig alles Neue entdeckt, sondern viele Ereignisse erlebt, ohne die Zusammenhänge zu verstehen, ohne eigene Schlussfolgerungen zu ziehen oder selbst etwas zu wagen, Pläne zu schmieden, eigene Träume zu verfolgen oder irgendetwas in der Welt oder den Leben ihrer Freunde und Mitmenschen zu hinterlassen. Sie trifft wenige Entscheidungen selbst und wenn dann sind es nur Impulshandlungen ohne ein Ziel. Sie lässt sich viel einreden und deshalb halte ich den folgenden Ausschnitt für so zentral:

… ohne Kritiker wüsste ich gar nicht, was ich denken sollte, Zeitungen und Blogs gaben mir Meinungen vor, die ich vorbehaltlos annahm …

Meiner Meinung nach reicht allein dieser Satz aus, um die Geschichte des Buchs und meine Wut, die ich beim Lesen teilweise empfand, zusammenzufassen. Warum sollte man so etwas denn wollen? Warum sollte man sich so sehr von anderen Menschen und ihren Meinungen abhängig machen? Wo kämen wir denn hin, wenn jeder seine eigene Meinung hat?

Vielleicht ist es ja auch genau das, was dieses Buch mit mir machen soll — mich aufregen, sodass ich mich entschieden dagegen wehre, mich nicht in ein ähnliches Gebilde treiben lasse, aus dem ich selbst kaum noch ausbrechen kann und es “Leben” nenne.

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Süchtig nach Festivals und Konzerten – geht das eigentlich?

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Anfang des Jahres dachte ich ja noch, das obligatorische Feel Festival würde mir als Highlight des Jahres ausreichen. Genauso lange trug ich aber den Gedanken mit mir herum, im November wieder nach Reykjavik zu reisen, um das Iceland Airwaves zu erleben. Was ich dann im Mai dann festmachte, mir das Ticket und den Flug buchte. Weil – jetzt mal ehrlich – da muss man doch nicht lange hin und her überlegen!

Und so freute ich mich Woche um Woche, die das Feel Festival näherkam. War gespannt auf die vielen musikalischen Überraschungen und war dann überrascht von der Größe, die es im Vergleich zum letzten Jahr angenommen hatte. Ich kam beschwingt, gut gelaunt und vollgetankt mit Sonne zurück in den Alltag – und was soll ich sagen? Ich war wieder angefixt. Angefixt von der Musik, den Künstlern, dem Flair, der Sonne und der kleinen Welt außerhalb des Alltäglichen, die jedes Festival für sich beansprucht.

Zum Glück gibt es da noch einige kleine, feine Festivals, die ich auf dem Kieker habe. Das Dockville zum Beispiel oder das Jenseits von Millionen. In meinem Facebook tauchte dann noch das alínæ lumr mit einem ganz zauberhaften Line-up auf. Doch schon meldete sich mein Gewissen: “Das Geld! Denk doch daran, dass das alles Geld kostet!” Aber wenn wir mal ehrlich sind, irgendwie geht es immer. Mein Drang, die sommerliche Euphorie aufrechtzuerhalten, war einfach stärker.

Ich meldete mich beim alínæ lumr als Helfer und kaufte mir ein Ticket für das Dockville. Ich kann nicht leugnen, dass ich immer noch mit dem Gedanken spiele, mich spontan als Helfer beim Jenseits von Millionen in zwei Wochen anzubiedern. Aber wahrscheinlich ist es doch zu krass, vier auseinander folgende Wochenenden nur in solchen “Extremsituationen” zu leben, die Festivals ja letztendlich immer sind.

Nun beschleicht mich aber leise die Frage: Können Festivals und Konzerte süchtig machen? Denn jedes Mal, wenn ich beschließe, ein Festival zu besuchen, bin ich ein kleines bisschen glücklicher. Von den Wochen und Tagen kurz davor ganz zu schweigen. Dabei kann ich nicht leugnen, dass dieses Gefühl schon Anfang des Jahres in mir leise klopfte. Als ich noch überlegte das Iceland Airwaves überhaupt zu buchen …