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Vom Träume erfüllen, Iceland Airwaves ’13 und Reykjavík

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Immer noch kommt mir alles wie ein Traum vor, aus dem ich heute Morgen erst erwacht bin und mich in meinem Zimmer in Berlin wieder finde, ohne dass sich etwas verändert hätte. Die graue Suppe steht unverändert am Himmel und schaut grimmig auf die im Alltag dahintrottenden Menschen herab. Jeden Moment könnte es anfangen zu regnen, zu schneien, Hagel oder sonst was könnte aus der Wolkendecke herunter brechen und es würde die allgegenwärtige gelangweilte und trübsinnige Stimmung kaum verändern. So ist das also, wenn man sich ein Stück weit einen Traum erfüllt.

Dabei bin ich gerade erst von einem Wochenende auf Island zurückgekommen. Drei Tage lang streifte ich durch die Straßen und Gassen der Innenstadt von Reykjavik, zog von einem Konzert zum nächsten, von der Lobby eines Hostels zum Designerstore – überall dorthin, wo meine Lieblingskünstler gerade einen Auftritt hatten. Ich drängte mich zwischen die vielen Besucher aus aller Herren Länder und der Jungend aus ganz Island, die genauso wie ich gekommen waren, um dieses einzigartige Festival mitzuerleben und die die Stadt aus allen Nähten platzen ließen.

Von den Szeneclubs bis zum Reykjavik Art Museum und dem Wahrzeichen Reykjaviks, dem Konzerthaus Harpa, waren alle Venues genauso einladend und beeindruckend wie das ganze Land. Fünf Tage lang feiern die Besucher auf dem Iceland Airwaves bis zur Erschöpfung oder wenn sie hart im Nehmen sind bis zum Sonnenaufgang um 9 Uhr. Fast alle Bands und Künstler, die die kleine Insel im Atlantischen Ozean zu bieten hat, treten an diesen Tagen in der Hauptstadt auf. Eine zu verpassen ist nahezu unmöglich, denn im Schnitt tritt jede Band 3-4 Mal On- und Off-Venue auf. Noch beeindruckender ist es, wenn man sich vor Augen führt, dass die meisten Bands aus den immer selben Personen bestehen, die sich neu kombinieren. So kommt es häufiger vor als man denkt, dass ein einzelner Künstler mehr als 10 Shows während des Festivals spielt. Den Rekord stellte hier Ragnhildur Gunnarsdottir 2011 mit unglaublichen 30 Auftritten in fünf Tagen auf, sie spielt unter anderem Trompete bei Of Monsters And Men.

Genauso lässig, wie die Künstler mit ihren unzähligen Shows umgehen, schländern die Besucher durch die Straßen, lassen sich treiben und von der Musik leiten, die aus den Läden hinaus und um die Ecken wehen. Drei Tage lang, war das mein Weg neue Bands zu entdecken, schöne Momente zu erleben und neue Menschen kennenzulernen. Denn das Publikum ist ein spannender Mix zusammengewürfelt aus Menschen, die seit Jahr und Tag auf diese Woche sparten oder sich erst zwei Wochen vorher spontan entschieden haben, nach Reykjavik zu fliegen. Sie alle haben aber eines gemeinsam – die Liebe zur Musik und die unbändige Neugier Neues zu entdecken.

Drei Tage lang ließ ich mich treiben und nahm mit offenen Augen und Ohren alles in mir auf, das von dieser atemberaubenden Landschaft rund um das urbane Leben der weitläufigen isländischen Hauptstadt hinter den Bars und Record Stores auf mich einprasselte. Der allgegenwärtige Gebirgszug Esja und der Kollafjörður zogen mich magisch an und ließen mich unentwegt auf das Meer hinaus starren. Die schönsten Plätze der Stadt findet man bei einer kleinen Wanderung auf dem Hügel Öskjuhlíð, auf dem sich ein Picknick zu fast jeder Jahreszeit lohnt und man den Blick von der Terrasse des Perlan über die gesamte Hauptstadtregion in alle Himmelsrichtungen schweifen und die Seele baumeln lassen kann. Oder an dem Stadtsee Tjörnin und seinem umliegenden Park, der erst Anfang des 20. Jahrhunderts angelegt wurde, wo Großeltern mit ihren Enkelkindern nachmittags die Enten, Schwäne und Wildgänse füttern gehen oder Pärchen auf einer Parkbank sitzend gemeinsam die idyllische Aussicht genießen.

Fern ab des Stadtlärms lässt es sich auf der Halbinsel Seltjarnarnes entspannt am Meer entlang spazieren, während man die frische Luft tief einatmet und sich gegenüber den Weiten des Meeres, dem sich anschließenden Grasland und dem entfernten Gebirge sehr klein und verloren vorkommt und nur noch den Leuchtturm Gróttuviti vor sich sieht.

Die Stadt mit nordischen Charme und Gelassenheit, dem unerreichbarem Stil in allen Belangen und den vielen einzigartigen und mit Liebe zum Detail ausgestalteten Shops und Bars schafft sich schnell seinen Platz im Herzen der Besucher. Und so war das Zurückkommen nach nur drei Tagen tatsächlich ein Gefühl, als wäre ich nach Monaten der Abwesenheit wieder in Berlin angekommen. Alles schien anders und die allgegenwärtige Hektik der Stadt irritierend fremd.

 

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