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Früher war mehr Internet …

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In letzter Zeit kommt in mir immer mal wieder der Wunsch auf, mich endlich mal wieder einen Tag lang im Internet zu verlieren. Mit Freunden oder Kollegen spreche ich darüber, wie gerne ich mich tagelang durch ein ganzes Blog gelesen habe. Wie wir an einem Sonntag die komplette Twitter Timeline nach unten gescrollt und jeden Artikel verschlungen haben, der geteilt wurde. Wie viel Zeit uns Tumblr geraubt und uns vom Studieren abgehalten hat … als wir uns noch am Ende jeder Party nächtelange YouTube-Video-Schlachten geliefert haben. Wenn wir nur schnell was auf Wikipedia nachschlagen wollten und uns nach mehreren Stunden wieder einfiel, was wir eigentlich vor hatten. Wann haben wir damit eigentlich aufgehört?

Obwohl mein Job in einer Social Media Agentur einzig und allein daraus besteht, online zu sein und zu arbeiten, fehlt mir das sehr. Denn Facebook ist letztendlich doch nicht das Internet. Ich bin regelmäßig unzufrieden über die Inhalte, die mir dort angeboten werden. Aber ich habe es auch verlernt, mir die Inhalte und Informationen zu holen, die ich gerne sehen oder lesen würde. Facebook hat mich faul gemacht – und Twitter auch ein wenig.

Es ist schon lange nicht mehr so, dass es das eine Blog gibt, von dem ich keinen einzigen Artikel verpassen möchte. Ich schaue nicht mal mehr täglich bei Instagram rein. Oft bin ich ganz froh, wenn ich den Laptop abends nicht noch mal anschmeißen muss. Vor zwei Wochen habe ich das letzte Mal etwas auf Facebook geteilt.

Aber wer hat sich verändert? Ich oder das Internet?

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Wie mich ein Buch aufregte …

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Bücher können die unterschiedlichsten Effekte auf uns haben, sie können uns unterhalten und langweilen, sie können und zum Lachen bringen und zum Weinen … Bücher können aber auch aufregen. Nämlich genau dann, wenn es unseren Verstellungen, Werten und Erfahrungen zuwider ist. Wenn es mit erhobenem Kopfe auf uns zu geht und eine Geschichte erzählt, die wir nicht verstehen können oder wollen.

Das Buch “Wir kommen” von Ronja von Rönne trifft diesen Nerv bei mir ziemlich gut. Denn es beschreibt eine Lebenswirklichkeit bzw. mehrere, die ich nicht nachvollziehen kann. Es geht dabei um die Geschichte von vier naiven Menschen, die sich jeglicher Selbstreflexion verwehen oder sich sich selbst beständig mit falschen Schlussfolgerungen vormachen, reflektiert zu sein und die richtigen Lösungen zu verfolgen. Sie leben in einer Wirklichkeit, die sich irgendwie parallel zum Alltag außerhalb ihrer eigenen Blase abspielt. Diese beiden Welten scheinen sich kaum zu berühren, und selbst wenn von außen jemand einen Blick in diese Blase wirft, sieht er immer nur ein Schauspiel einer scheinbar funktionierenden Alternative zum alltäglichen. Eine Viererbeziehung, die gleichzeitig Neugier und Ängste schürt, einen unbestimmten Reiz ausübt, den man sich dann aber doch niemals traut, selbst auszuprobieren. Weil es vielleicht Mut bedarf, das aufzubauen und zu erhalten. Vielleicht reicht aber auch eine gemeinsame Angst aus, vier Personen so zusammenzuschweißen.

Und so beschreibt die Protagonistin einen fast kindlichen Blick auf die Welt und ihr eigenes Leben. Aber nicht in dem Sinne, dass sie neugierig alles Neue entdeckt, sondern viele Ereignisse erlebt, ohne die Zusammenhänge zu verstehen, ohne eigene Schlussfolgerungen zu ziehen oder selbst etwas zu wagen, Pläne zu schmieden, eigene Träume zu verfolgen oder irgendetwas in der Welt oder den Leben ihrer Freunde und Mitmenschen zu hinterlassen. Sie trifft wenige Entscheidungen selbst und wenn dann sind es nur Impulshandlungen ohne ein Ziel. Sie lässt sich viel einreden und deshalb halte ich den folgenden Ausschnitt für so zentral:

… ohne Kritiker wüsste ich gar nicht, was ich denken sollte, Zeitungen und Blogs gaben mir Meinungen vor, die ich vorbehaltlos annahm …

Meiner Meinung nach reicht allein dieser Satz aus, um die Geschichte des Buchs und meine Wut, die ich beim Lesen teilweise empfand, zusammenzufassen. Warum sollte man so etwas denn wollen? Warum sollte man sich so sehr von anderen Menschen und ihren Meinungen abhängig machen? Wo kämen wir denn hin, wenn jeder seine eigene Meinung hat?

Vielleicht ist es ja auch genau das, was dieses Buch mit mir machen soll — mich aufregen, sodass ich mich entschieden dagegen wehre, mich nicht in ein ähnliches Gebilde treiben lasse, aus dem ich selbst kaum noch ausbrechen kann und es “Leben” nenne.

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Süchtig nach Festivals und Konzerten – geht das eigentlich?

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Anfang des Jahres dachte ich ja noch, das obligatorische Feel Festival würde mir als Highlight des Jahres ausreichen. Genauso lange trug ich aber den Gedanken mit mir herum, im November wieder nach Reykjavik zu reisen, um das Iceland Airwaves zu erleben. Was ich dann im Mai dann festmachte, mir das Ticket und den Flug buchte. Weil – jetzt mal ehrlich – da muss man doch nicht lange hin und her überlegen!

Und so freute ich mich Woche um Woche, die das Feel Festival näherkam. War gespannt auf die vielen musikalischen Überraschungen und war dann überrascht von der Größe, die es im Vergleich zum letzten Jahr angenommen hatte. Ich kam beschwingt, gut gelaunt und vollgetankt mit Sonne zurück in den Alltag – und was soll ich sagen? Ich war wieder angefixt. Angefixt von der Musik, den Künstlern, dem Flair, der Sonne und der kleinen Welt außerhalb des Alltäglichen, die jedes Festival für sich beansprucht.

Zum Glück gibt es da noch einige kleine, feine Festivals, die ich auf dem Kieker habe. Das Dockville zum Beispiel oder das Jenseits von Millionen. In meinem Facebook tauchte dann noch das alínæ lumr mit einem ganz zauberhaften Line-up auf. Doch schon meldete sich mein Gewissen: “Das Geld! Denk doch daran, dass das alles Geld kostet!” Aber wenn wir mal ehrlich sind, irgendwie geht es immer. Mein Drang, die sommerliche Euphorie aufrechtzuerhalten, war einfach stärker.

Ich meldete mich beim alínæ lumr als Helfer und kaufte mir ein Ticket für das Dockville. Ich kann nicht leugnen, dass ich immer noch mit dem Gedanken spiele, mich spontan als Helfer beim Jenseits von Millionen in zwei Wochen anzubiedern. Aber wahrscheinlich ist es doch zu krass, vier auseinander folgende Wochenenden nur in solchen “Extremsituationen” zu leben, die Festivals ja letztendlich immer sind.

Nun beschleicht mich aber leise die Frage: Können Festivals und Konzerte süchtig machen? Denn jedes Mal, wenn ich beschließe, ein Festival zu besuchen, bin ich ein kleines bisschen glücklicher. Von den Wochen und Tagen kurz davor ganz zu schweigen. Dabei kann ich nicht leugnen, dass dieses Gefühl schon Anfang des Jahres in mir leise klopfte. Als ich noch überlegte das Iceland Airwaves überhaupt zu buchen …

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Von Werten und Definitionen

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Wenn mich ein Thema sehr interessiert, beschäftigt oder aufregt, muss ich ihm auf den Grund gehen, seine Quelle ausfindig machen. Das ist so eine Angewohnheit von mir und in letzter Zeit regt mich ein Thema regelmäßig auf. Denn ständig spülen mir sämtliche Lifestyle Magazine und Blogs die immer gleiche Debatte von unserer angeblichen “Generation Beziehungsunfähig” in die Timeline.

Wenn mich etwas mehr aufregt als alles andere, dann die Behauptung wir, meine Generation, die Gen Y, wären nicht in der Lage Beziehungen zu führen. Würden echter Liebe aus dem Weg gehen. Überhaupt würden wir uns an nichts und niemanden binden und alles als eine Zwischenstation sehen. Nur vorübergehend irgendwo wohnen, irgendwelche Freunde haben, irgendeinen Job machen, obwohl wir eigentlich etwas anderes machen wollen, und uns in lockere Partnerschaften möglichst ohne Verpflichtungen begeben.

Aber so ist es nicht. Diesen Stempel kann man nicht einfach auf so viele Menschen drücken. Denn meistens scheitern Beziehungen an unterschiedlichen Vorstellungen und Erwartungen an das Zusamensein, an die eigene oder gemeinsame Zukunft und vom Leben allgemein. Das habe ich zumindest aus meinem kleinen Erfahrungsschatz gezogen. Menschen ändern sich und damit auch ihre Wünsche und Träume und vielleicht sogar ihre Werte, Einstellungen und Sicht auf die Dinge. Das ist aber kein Grund alle als “beziehungsunfähig” zu abzutun.

Die Quelle allen Übels oder zumindest der unsäglichen Bezeichnung “Generation Beziehungsunfähig” kommt von dem gleichnamigen Buch von Michael Nast, das wie ich glaube, keiner der vielen Redakteure wirklich gelesen hat. Es wirkt so, als hätten sie nur den Titel gelesen und sich dann aufgeregt. Dabei ist das Buch voller humorvoller Geschichten über das Leben, Berlin, Beziehungen, Freundschaft und persönlicher Entwicklungen. Es Beschreibt die Schwierigkeiten und den Zweifel dabei, veralteten Werten von Schule, Job, Heitrat, Kinder usw. hinterher zu eifern. Die Welt ist eine andere als zu Zeiten unserer Eltern und Großeltern und deshalb sollten ihre Werte bei uns keinen so großen Stellenwert mehr einnehmen. Sie lassen sich eh nicht einfach so auf unsere Art zu Leben aufzwingen.

Wir brauchen unsere eigenen Werte und wir täten gut daran, sie endlich mal für uns zu definieren, anstatt uns von dieser Diskrepanz und daraus hervorgehenden Selbstzweifeln zerfressen zu lassen.

Vielleicht müssen wir nicht mehr den Partner fürs Leben finden und vielleicht sollte das auch einfach jeder für sich selbst entscheiden, es akzeptieren und dementsprechend handeln.

Wovor haben wir Angst?

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Einen Shot Internet bitte

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Es ist schon eine Weile her, dass mich das Internet in sich hinein sog wie ein unerbittlicher Strudel. Als ich mich durch Blogs und Tweets und Facebook-Posts klickte, die Welt um mich herum fast vergas und in vielen spannenden und lesenswerten Artikel versank, die sich in dieser Wolke tummelten.

Damals™ waren Blogs ohnehin viel wichtiger für mich. Ich hatte meinen Reader mit meinen Lieblingen und vielen Entdeckungen bestückt. Hinzu kamen mehrere Twitter-Accounts für unterschiedliche Themen, die sich auch an meinen verschiedenen Blog-Beteiligungen orientierten. Mein Gradmesser war News.me, das mir die wichtigsten News auf Twitter und Facebook zusammenstellte. Wichtig bedeutete in diesem Kontext, wie viele Freunde und Follows einen Beitrag teilten. Und manchmal Rivver.

Heute geht mir vieles verloren. Nachdem ich einen Twitter-Account kappte und auf Facebook alles Interessante in Werbebotschaften und dem Algorithmus versank, ich selbst weniger postete und auch meine Freunde die Frequenz senkten, verlor sich auch meine Informationsgrundlage.

Ich selbst bloggte weniger und konnte nicht übersehen, dass es Freunden und Bekannten ähnlich ging. Einige Blogs änderten ihren Stil und ihre Ausrichtung und wurden uninteressant für mich. Aber es rückten keine Blogs oder Services nach. News.me gräbt mir keine Diamanten mehr aus und den Reader habe ich seit Monaten nicht mehr geöffnet.

Etwas Neues ließ auf sich warten.

Doch es tauchte endlich auf. Im Dezember erweiterte ich endlich mal wieder meine Filterbubble auf Twitter. Das Social Media Watchblog ist für mich ein unerlässlicher Newsletter geworden. Auch wenn es manchmal unbeständig ist. Auch wenn es oft, manchmal zu oft, sein aussehen und Stil ändert. Aber wir mussten uns alle erst einmal unser digitales Nest einrichten.

Und seit gut einer Woche abonniere ich mir meine “persönlichen” piqs. Piqd ist ein neuer Service für kuratierte News. Täglich oder wöchentlich gibt’s einen Newsletter von bekannten Journalisten, Netzautoren und Experten, die die wichtigsten News des Tages oder der letzten Tage zusammenfassen. Die Qualität ist kaum zu toppen. Wie schaffen sie das? Jeder Autor darf nur einen Beitrag am Tag teilen. Die Qual der Wahl hat man aber bei den Ressorts, die sich nicht an klassischen Zeitungsressorts orientieren, sondern an den Themen des Internets. Ich habe fast alle abonniert.

Und diese Kombination aus Social Media Watchblog, Piqd und manchmal auch dem (nicht weiter erwähnenswerten) Xing Newsletter für Marketing und Werbung geben mir meinen täglichen Shot Internet. Und es ist großartig. Ich liebe es.