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Was ich gerne vor 10 Jahren gewusst hätte

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Diese Woche habe ich auf Edition F einen Artikel gelesen. Darin ging es um unser 18-jähriges Ich und was wir damals gerne gewusst hätten. Die Redakteurinnen schrieben ein paar Zeilen an ihre Vergangenheit. Ich fand das spannend und möchte es ihnen in diesem Blogpost gleich tun.

Was würdest du deinem 18-jährigen Ich raten?

Sprich! Sprich, ob du willst oder nicht.

Ja, ich kann dir bestätigen: Du bist introvertiert und schüchtern, sehr sogar. Ich weiß auch, deine größte Angst ist es, dumm dazustehen, etwas Falsches zu sagen oder etwas Dummes zu fragen.

Aber da ist eine Sache, die ich erst im letzten Jahr gelernt habe: Menschen, die sprechen, sind sympathisch. Und dabei ist es egal, was sie sagen.

Deine Angst, etwas Dummes zu fragen oder dich als totaler Idiot zu outen, ist vollkommen unbegründet. Ich möchte an dieser Stelle nicht sagen, dass es keine dummen Fragen gibt. Denn die gibt es wirklich und davon habe ich in den letzten 5 Jahren genug gehört.

Aber deine Fragen sind nicht doof! Denn du möchtest mit deinen Fragen verstehen und dazulernen. Und nichts von den, was du sagst, ist doof! Denn bevor du überhaupt den Mund aufmachst, denkst du mindestens 100x darüber nach, was du sagen willst. Wie sollte da etwas Dummes bei rauskommen?!

In den kommenden Jahren werden ein paar komische und unangenehme Situationen auf dich zukommen. Viele davon hättest du von Anfang an auflösen können, wenn du deine Gedanken einfach ausgesprochen hättest. Wie soll ich jemand verstehen, wenn du dich niemandem erklärst?

Lass das Grübeln ab und zu mal sein — aber hör nicht auf damit! — und sag stattdessen einfach was.

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10 Fragen für einen reflektierten Start ins neue Jahr — Nummer 3

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Wie heißt es so schön: Traditionen soll man pflegen! Auch wenn ich 2018 hier wenig gebloggt habe. Geschrieben habe ich genug. Zeit für einen Rückblick auf das abgelaufene Jahr.

1. Was ist dir in diesem Jahr gelungen?

Mir sind dieses Jahr mehrere Dinge gelungen. Erstens habe ich quasi meine Lauf-Wette gewonnen. Es war keine wirkliche Wette, aber ich hatte das Ziel dieses Jahr 3 km in unter 15 Minuten zu laufen und ich habe es geschafft. In dem Moment war ich wahnsinnig stolz auf mich selbst.

Hinterher muss ich sagen, dass es mich im Endeffekt nur 2-3 Monate konstantes und zielgerichtetes Training gekostet hat. Das macht Mut, dass ich noch mehr schaffen kann.

Mein zweiter Erfolg war beruflich. Wir bauen gerade eine neue agentureigene Community mit einer ganz neuen Zielgruppe auf. Diese könnte kaum weiter weg von meinem persönlichen Standpunkt sein. Trotzdem konnte ich aus allem, was ich in den letzten 4 Jahren gelernt habe, genau die richtige Ansprache für diese Zielgruppe finden. Es hat quasi sofort funktioniert.

Und ich habe meine Jahreschallenge geschafft: So oft wie möglich wegfahren, mindestens einmal im Monat. Aber darüber habe ich schon auf Tumblr geschrieben.

2. Was hat dich am glücklichsten gemacht?

Punkt 1 macht mich gerade sehr glücklich.

3. Woran bin ich gescheitert?

Ich scheitere viel zu oft an mir selbst. Das alles hier aufzuführen, würde den Rahmen sprengen. Wir sind hier ja auch nicht bei der Therapie.

4. Was bereust du?

Dass ich nicht immer das gesagt habe, was ich dachte. Das ist gar nicht so negativ gemeint, wie es klingt. Manchmal habe ich in Bezug auf Mitarbeiter aber auch auf Freunde ein sehr genaues Gespür für das, was gesagt werden muss. Nur bin ich oft gleichzeitig so verunsichert, dass ich mich nicht traue, es auszusprechen. Selbst, wenn es eine Ermutigung ist!

Da kommen mir dann Gedanken wie: „Das klingt doch nicht nach mir! Das bin doch nicht ich!“ oder „Das kauft mir doch sowieso keiner ab!“. Man merkt, ich denke von mir selbst in festgefahrenen Klischees. Das ist erstmal scheiße!

5. Was habe ich gelernt?

Ich lerne gerade, wie man mit berufsunerfahrenen Menschen umgeht. Das öffnet einem erstmal richtig die Augen. Plötzlich sind nicht alle einfach schwer von Begriff, sondern brauchen einfach einen anderen Ansatz, andere Aufgaben und Erklärungen.

Okay, das ist ganz schön übertrieben. Aber ich muss zugeben, dass wir in den letzten Jahren (viel zu) oft auf „ins kalte Wasser werfen“ gesetzt haben. Das hat bei mir selbst gut funktioniert. Ich befürchte aber, die wenigsten sind dafür gemacht.

6. Was werde ich im nächsten Jahr besser machen?

Ich möchte weniger denken und stattdessen mehr machen und vor allem fragen! Fragen ist das Wichtigste. Wenn man nicht fragt, weiß man nicht, was der andere denkt. Viel zu oft versuche ich mir zu denken, wie andere mich sehen oder was sie von mir halten oder wie etwas bei ihnen ankommt.

Ich möchte mir nicht nächtelang den Kopf darüber zerbrechen, wie meine Kollegen eine Übung oder Aufgabe fanden. Ich werde sie einfach fragen.

7. Wie steht es um meine Ziele?

Im Vergleich zum letzten Rückblick auf 2017 sind vor allem meine beruflichen Ziele wieder klarer. Während des Prozesses hatte ich zwar oft das Gefühl, nicht weiterzukommen. Doch im Rückblick stehe ich jetzt an einem ganz anderen Punkt als vor 1 Jahr.

Ich befürchte nur, dass ich zu hohe Erwartungen daran habe, wann und wie bald sie eintreffen werden. Es gibt viel zu tun.

8. Was sollte ich öfter tun?

Nichts. Im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn ich auf die letzten paar Wochen bis zwei Monate zurückblicke, sollte ich mein Kopf öfters mal zur Pause zwingen. Da passiert zu viel.

9. Womit sollte ich aufhören?

Mir würde glatt „prokrastinieren“ einfallen. Aber ich habe eine sehr produktive Art zu prokrastinieren. Dabei schiebe ich eine einzelne wichtige Aufgabe vor mich her, die mir aus irgendeinem Grund gerade unlösbar erscheint. Stattdessen mache ich alle anderen Aufgaben, die in der letzten Zeit liegen geblieben sind oder in nächster Zeit auf mich zukommen werden. Klasse oder?

10. Was sind meine Ziele für das neue Jahr?

Da weitermachen, wo ich letztes Jahr aufgehört habe.

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Tue Gutes und rede darüber: Warum ich Wikipedia-Editor wurde

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Auch wenn ich hier ein Zitat bemühe, das mit PR und Öffentlichkeitsarbeit assoziiert wird, finde ich diesen Spruch dennoch passend.

Denn: Ich habe vor ein paar Wochen damit begonnen, in der Wikipedia Artikel anzulegen. Nicht irgendwelche, sondern speziell Artikel über Frauen. Damit möchte ich meine 5 Cent zu einer besseren Repräsentation von Frauen in der beliebten Enzyklopädie beitragen.

In der deutschen Wikipedia sind etwa 14-16% der Personenartikel Biografien von Frauen. Damit liegen wir im Ländervergleich eher im hinteren Mittelfeld, wenn man das noch Mittelfeld nennen kann.

Dabei gibt es super viele Frauen, über die es sich zu erzählen lohnt. Es muss nicht immer die Bundeskanzlerin sein. In Vorständen und Aufsichtsräten sitzen genug Frauen, die einen eigenen Artikel verdient haben — und genau da setze ich an.

Oftmals finde ich Listen von aktuellen und vergangenen Vorstandsmitgliedern und Funktionären großer Konzerne, in denen viele Männer einen eigenen Artikel hinterlegt haben, aber die drei genannten Frauen keinen Einzigen. Mittlerweile nervt mich das und die Damen kommen auf meine Liste mit anzulegenden Biografien.

Ich habe Verständnis dafür, dass es mir nicht jeder gleich tun kann. Diese Artikel anzulegen kostet Zeit. Einen einfachen Personenartikel mit Informationen zur Ausbildung, aktueller Funktion und einem kurzen Abriss über den beruflichen Werdegang zu recherchieren und anzulegen, kostet mich 3 bis 4 Stunden.

Aus diesem Grund würde ich mir wünschen, dass die Mitarbeit an der Wikipedia niederschwelliger wird. Es gibt erste Ansätze, die Recherchen von künstlichen Intelligenzen erledigen zu lassen.

Ich kann mir aber eine noch viel kleinteilige Mitarbeit vorstellen: zum Beispiel einen Chat-Bot, der einzelne Fakten zu Personen abfragt und die Quelle dazu einholt. So hätte jeder die Möglichkeit, in nur wenigen Minuten zur Wikipedia beizutragen. Die Ergebnisse könnten in einer Datenbank oder Ähnlichem gesammelt werden, auf die jeder zugreifen kann, der etwas mehr Zeit hat, um den Artikel zusammenzufügen und zu schreiben.

Eine zweite Idee wäre eine Browserintegration, die Webseiten auf bestimmte Stichworte wie z.B. Namen durchsucht und mit einer Liste relevanter Personen abgleicht, die noch keinen Wikipedia-Artikel haben. Mit der Frage: „In diesem Artikel wurde Person XY erwähnt. Möchtest du Informationen zur Wikipedia hinzufügen?“ könnten Teile des Artikels aufgenommen und direkt mit der Quelle hinterlegt werden.

Leider bin ich nicht in der Lage so was zu programmieren. Aber vielleicht findet sich ja jemand, der die Idee aufgreifen will. ¯\_(ツ)_/¯

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Klarheit finden über das eigene Wissen und Können

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Ich sitze gerade im ICE nach Frankfurt am Main und während ich sie aktuelle “Brad Eins” lese, habe ich eine spontane Eingebung. Der Schwerpunkt ist Personal und in dem Essay zum Einstieg steht ein entscheidender Satz. Es wird der Siemens-Chef Heinrich von Pierer zitiert:

Und von Pierer sprach: “Wenn Siemens nur wüsste, was es weiß.”

Daraus wurde ein viel zitierter Stoßseufzer aller Change Manager. Das Problem jeder Organisation und aller Menschen kann man kaum besser zusammenfassen. Wissen, was man weiß, das heißt eben auch: wissen, wer man ist, was man kann und was man will.

Das ließ mich an viele meiner Freunde denken, die Anfang 30 nach einem Studium und einigen Jahren arbeiten und “sich durchschlagen”, plötzlich mit der Idee um die Ecke kommen noch eine (teilweise völlig artfremde) Ausbildung oder ein Volontariat oder ähnliches zu machen.

Wenn ich sowas höre, gerate ich in einen Moment des Unverständnis, unfähig meine Irritation richtig zu artikulieren. Denn mich stört genau das, was oben in dem Zitat so schön auf den Punkt gebracht wird: Wisst ihr denn nicht, was ihr schon wisst? Ist euch nicht bewusst, was ihr könnt, was ihr alles schon geleistet habt? Seht ihr nicht, was ich in euch sehe?

Ich kann durchaus nachvollziehen, dass eure letzten Jobs vielleicht nicht auf ein bestimmtes Karriereziel hinarbeiten, aber das heißt noch lang nicht, dass diese Jahre nichts wert sind. Es heißt nicht, dass sie euch nichts gelehrt haben. Außerdem geht es oft nicht mal um die Jobs an sich. Manchmal waren sie einfach ein Job, um Geld zu verdienen, und um Zeit für Hobbys oder eigene Projekte zu haben. Dann sind diese Projekte eben euer Ankerpunkt.

Überlegt euch doch mal, was ihr schon alles gemacht habt. Schreibt es gerne auf:

  1. Was habt ihr in den letzten Jahren gelernt?
  2. Was habt ihr erreicht?
  3. Was habt ihr auf die Beine gestellt?
  4. Worauf seid ihr vielleicht sogar stolz?

Und dann überlegt euch im zweiten Schritt, was euch tatsächlich interessiert:

  1. Was sind eure Motivatoren?
  2. Was ist euch wichtig?
  3. Was wollt ihr erreichen?

Lässt sich aus diesen beiden Komponenten nicht schon etwas gestalten? Mit diesem Wissen und mit diesem Selbstbewusstsein könnt ihr in die neue Jobsuche starten und dann guck noch mal, ob die Ausbildung euch tatsächlich dem, was ihr wirklich wollt, näher bringen kann.

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Ehrenamt – lohnt sich das überhaupt?

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Ich wurde mal gefragt, warum ich überhaupt ein Ehrenamt ausübe. Es bringe mir ja nichts und Geld würde ich dafür auch nicht wirklich bekommen.

In der Regel kostet mich mein Ehrenamt jedes Jahr 10-16 Tage am Wochenende. Hauptsächlich im Sommer. Manchmal ist es nur ein Tag am Wochenende. Manchmal geht dafür ein ganzes Wochenende drauf. Was besonders schlaucht, wenn man danach wieder direkt in eine 40-Stunden-Arbeitswoche geht. Dieses Jahr nehme ich mir sogar 1,5 Wochen Urlaub, um bei der Europameisterschaft dabei sein zu können.

Ein Tag ist dabei gerne mehr als 8 Stunden Arbeit. Plus Anreise, die in 80% der Fälle 1-2 Stunden dauert. Wenn ich Pech habe, muss ich dafür 6:30-7:00 Uhr los und bin erst gegen 19-20 Uhr zuhause. Es ist kein schwerer Job, aber zeitweise sehr stressig.

Lohnt es sich also? — Um es mal vorsichtig auszudrücken: LOL, nein. Egal, welche Maßstäbe man hier ansetzen will, lohnen tut es sich wahrscheinlich nicht. Ich verdiene damit kein Geld und die Welt rette ich damit auch nicht.

Warum tue ich mir das also an? — Die einzige Antwort, die ich darauf geben kann ist: Weil es richtig ist. Nicht mehr und auch nicht weniger.